B.C.
Koekkoek-Haus


Hans Uwe Schmidt
My Favorites 12.10.2008–04.01.2009

Die Ausstellung „My Favorites“ mit rund 20 großformatigen Gemälden und 14 Arbeiten auf Papier spiegelt das ungewöhnliche Schaffen des seit 1963 in Kleve lebenden und arbeitenden Künstlers Hans Uwe Schmidt wieder und bedeutet für ihn eine Rückkehr zu seinen Ursprüngen. Schließlich hatte Schmidt 1976/1977 seine erste große Einzelausstellung im ehemaligen Städtischen Museum Haus Koekkoek.

Die jetzige Ausstellung mit Arbeiten von ca. 1960 bis 2008 zeigt ein reifes und in sich abgerundetes Werk mit einem Fokus auf Figuration und Gegenständlichkeit.

Vor allem Schmidts Vielseitigkeit überrascht, so ist es kaum möglich, seinen Stil einheitlich zu kategorisieren. Kaum ein Bild gleicht dem anderen, gerade mal eine Vorliebe für eine expressive Malweise lässt sich feststellen. Der Betrachter ist beim ersten Anblick verblüfft von seinen Werken, spielt der Künstler doch gekonnt mit den mannigfaltigen Ausdrucksweisen berühmter Arbeitskollegen.

Schmidt besitzt eine Affinität zu europäischen Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denen er in seiner eigenen Arbeit Tribut zollt. So sind in seinen Bildern – in eigener Adaption und Interpretation – etwa die „Constructeurs“ des Fernand Léger zu sehen, ein Stillleben des Kubisten Juan Gris und die hart konturierten Figuren aus dem Spätwerk Max Beckmanns.

Der vom Künstler gewählte Titel der Ausstellung lautet denn auch „My Favorites“ (engl. „Meine Favoriten“).

Nicht nur durch die Wahl der Künstler und die neue Auslegung ihrer Stile erweist er ihnen seinen Respekt, auch ihre Porträts integriert er in seine Bilder: So ist etwa Giorgio Morandi zu sehen, der mit hochgezogener Brille eines seiner berühmten Stillleben in Augenschein nimmt, das bullig wirkende Gesicht Fernand Légers inmitten seiner „Konstrukteure“ oder Max Beckmann, der melancholisch in unbestimmbare Ferne blickt.

Hans Uwe Schmidts Werke bestechen neben einer spielerisch umgesetzten Kreativität durch ein hohes handwerkliches Können, gepaart mit einer fundierten Kenntnis der Kunstgeschichte. 1937 in Wuppertal-Elberfeld als Sohn eines Stukkateurmeisters geboren, findet Schmidt schnell einen praktischen Zugang zur Kunst. Bereits mit 15 Jahren besucht er in Abendkursen die Werkkunstschule in Wuppertal, zwei Jahre später absolviert er eine Stukkateurlehre.

Mit 20 Jahren beginnt er an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren, wo er u.a. Joseph Beuys kennen lernt. Von 1957 bis 1960 ist er Schüler, danach Meisterschüler von Prof. Bruno Goller, den er Zeit seines Lebens verehrt und ebenfalls in einem Gemälde porträtiert. Ihm fühle er sich, so Schmidt, „sehr nahe“ in seiner „Auffassung von Malerei“.

1963 zieht er nach Kleve, wo er über dreißig Jahre an der Johanna-Sebus-Schule als Kunsterzieher tätig ist, sein eigenes Kunstverständnis festigt und zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und im Ausland ausrichtet.

Hans Uwe Schmidt, Hoffnungsschimmer im Exil, 2006-08
Hans Uwe Schmidt, Synthese / Juan & Josette, 2007
Hans Uwe Schmidt, Trugbild (... da war gar kein Spiegel?), 2006-07
Hans Uwe Schmidt, Die Konstrukteure bei der Rekonstruktion ihres Konstrukteurs, 2006-2007
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